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Der Umgang mit Schnee, eine Geduldsarbeit

Schneemanagement

Auf kalten trockenen Januar folgt oft viel Schnee im Februar? Für Bauernweisheiten und alte Redensarten haben die Herren des Weiß nicht viel übrig. Ihr Alltag bietet keinen Platz für Träumereien und Zufälle! Ob der Himmel vor Schneeflocken nur so wimmelt oder sich bar jeden Stäubchens zeigt, eine kleine Expertengruppe ist stets mit der entsprechenden Lösung bei der Hand.
Schnee, ein seltenes Gut
Ankündigung eines Klimawandels, Zufall, Schicksal? Die katastrophalen Winter der 80er ließen auf eine düstere Zukunft für den Wintersport schließen und lösten bei vielen Stationsbetreibern schlimmste Befürchtungen aus. Aufgrund des Ausbaus der Skigebiete gewinnen Organisation und sinnvolles Schneemanagement zusätzlich an Bedeutung. Mit der Eröffnung der ersten Schneefabrik im Jahr 1986 bereitete Flaine den Weg zu einem gänzlich neuen Schneeverständnis. Angesichts der Verknappung des weißen Golds bleibt den Wintersportbetrieben nichts anderes übrig, als entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen: umfassendes Know-how ist für die Existenz einer Skistation und das regionale Wirtschaftsgleichgewicht heute unverzichtbar.
Erdarbeiter, Pistenbetreuer, Pistengerätfahrer und Beschneier haben eine gemeinsame Mission: das Schneemanagement. Jeder Arbeiter trägt im Rahmen seines Kompetenzbereichs zur Pflege des knappen, empfindlichen und unbeständigen Guts Schnee bei. Ziel ist die Entwicklung intelligenter und gezielter Strategien zur Verzögerung des Schneealterungsprozesses, bedarfsorientierten Schneeerzeugung, Reservenschaffung zur Beschneiung stark frequentierter Abschnitte mit hoher Abnutzungsrate (viel befahrene Pisten), Lawinenprävention, Schneedeckenbeurteilung und Anordnung der nötigen Maßnahmen. Ein umfangreiches Programm!
Die Bodenbereitung
Jeder weiß, dass ein Anstrich auf einer ordentlich präparierten Wand besser hält – dasselbe gilt auch für Schnee. Eine gut vorbereitete Piste lässt sich im Handumdrehen beschneien! Die ersten Arbeiten beginnen schon im Sommer. In Zeiten, in denen Sie keinen Gedanken ans Skifahren verschwenden würden, sind Maschinen auf den Pisten im Einsatz und befreien die Erdoberfläche von störenden Steinen, glätten aufgewühlte Abschnitte und heben Schächte für das Schneeerzeugernetzwerk aus. Anschließend wird der überarbeitete Grund begrünt. Dies verleiht dem Boden Stabilität und bietet dem nächsten Schnee dauerhaften Halt. Ein gut präparierter Grund steigert im Übrigen die Leistungsfähigkeit der Pistengeräte und ermöglicht längere Betriebszeiten, da auf einer Rasenfläche bereits einige Zentimeter Schnee genügen, um eine Piste befahrbar zu machen. Dies gilt natürlich nur für relativ ebenmäßige Strecken, auf denen Sie nicht in jeder Kurve Gefahr laufen, sich Ihre Ski zu ruinieren.
Pistenpräparierung: das A und O des Wintersportbetriebs
In den 70er Jahren wurden die Pisten noch mittels Ski oder Walze geglättet, störende Buckel mit einer Hacke abgetragen und vereiste Flächen mit frischem Schnee bedeckt, eine wahre Schinderei. Heutzutage wird die Schneedecke mithilfe hochleistungsfähiger Pistengeräte mit hydraulischer Fraise komprimiert und ihre Lebensdauer so erheblich gesteigert. Die Sonne und der Wind sind des Schnees ärgste Feinde. Frischer Schnee ist deutlich empfindlicher gegenüber Witterungseinflüssen und mechanischer Beanspruchung durch Ski und Snowboards. Seine Albedo (Rückstrahlungsvermögen) nimmt ab: er absorbiert die Sonnenenergie, statt sie zu reflektieren. Und schon bald ist von ihm nichts mehr als Wasser übrig! Nur die Fräsen der Pistengeräte können diesem verhängnisvollen Phänomen Einhalt gebieten und das Ende einer alternden Schneedecke aufschieben. Der Beruf des Pistengerätefahrers ist anspruchsvoll und erfordert ausgezeichnete schneekundlerische Kenntnisse sowie ein absolutes Feingefühl am Steuer. Winterschnee beispielsweise weist eine verhältnismäßig feine Körnung auf und verlangt eine andere Pflege als die runden Körner des frühjährlichen Sulzschnees.
Künstliche Beschneiung
Den Wintersportbetrieben ist es heutzutage nahezu unmöglich, auf die Kulturschneeerzeugung zu verzichten. Die Produktionskosten sind zwar beträchtlich, für das gegenwärtige Überleben der meisten Skistationen jedoch unverzichtbar. Selbst hochgelegene Stationen sind betroffen. Natürlich gilt es nicht, ein Skigebiet in seiner Gesamtheit zu beschneien, ein solches Unterfangen hätte wenig Sinn. Vielmehr beschränkt man sich mit der Beschneiung auf die wichtigsten Verbindungen, die ab Weihnachten für den Wintersport geöffnet werden sollen. Die Schneeproduktion erfolgt an strategischen Stellen, welche einer starken Frequentierung ausgesetzt sind. Schneemanagement bedeutet letztendlich auch Wassermanagement: zur bestmöglichen Nutzung der verfügbaren Wasserressourcen werden Reservoirs in der Nähe der Pisten angelegt.
Schneemanagement gleich Risikomanagement
Alle Gebirgsmassive bergen ein mehr oder minder hohes Lawinenrisiko. Unter strenger Befolgung eines speziellen Lawinensprengeinsatzplans begeben sich Lawinensprengmeister zu Risikozonen und lösen mittels oberhalb der Eiskorridore angelegter Stahlröhren Explosionen aus, die zu einem kontrollierten Lawinenabgang führen. Dieses sogenannte GAZEX-System ermöglicht eine Fernauslösung von Sprengsätzen für maximale Effizienz und Sicherheit. Erfahrene Teams untersuchen die Schneedecke regelmäßig auf Veränderungen und beurteilen ihre aktuelle Stabilität. Mehrmals pro Woche erfolgt dieses Abklopfen der Schneeoberfläche in diversen Risikozonen des Massivs. Die Prävention gewinnt an Bedeutung: Antizipation, Investition und Instandhaltung sind die Säulen des Schneemanagements und essenziell angesichts des zunehmenden Besucherandrangs in den Wintersportgebieten.
Beschneier – die Multitalente des Wintersportbetriebs Unsere Herren des Weiß könnten glatt als Mac Gyver durchgehen: sie verfügen über Kenntnisse aus Klempnerei, Informatik, Erdarbeit, Meteorologie und Nivologie. Die Ausbildung, die ein Beschneier absolvieren muss, ist denkbar vielseitig. Im Betrieb ist er für die Bedienung sowie die 24-Stunden-Überwachung sämtlicher Installationen der Beschneiungsanlage verantwortlich, denn unbeaufsichtigt wären die Schneekanonen schon bald von riesigen Eisplatten umgeben. Die Schneequalität liegt allein in seiner Hand..., und damit auch die Zufriedenheit der Winterurlauber – nicht gerade eine geringe Verantwortung! Kostenpunkt? Die Produktionskosten für Kulturschnee liegen zwischen 1 und 2 Euro pro m³ inklusive Anschaffung, Präparierung, Treibstoff, Strom usw... Für eine Station von der Größe des französischen Alpe d'Huez bedeutet dies Ausgaben in Höhe von 600 000 Euro innerhalb einer Saison. Die Schneeerzeugung erfolgt mittels Schneelanze oder Schneekanone. Mit einem Druck von 20 bis 80 bar befördern diese an eine Feuerspritze erinnernden Vorrichtungen feinste Wassertropfen in die Luft. Das Besondere an diesen Zerstäubern ist, dass das Wasser nicht gleich gefriert. Die geringe Menge eingespritzten Wassers wird in kleinste Teilchen aufgespaltet. Kommen diese Teilchen mit kalter Luft in Berührung, erstarren sie und formen eine Flocke. Die Bezeichnung "Kunstschnee" ist im Zusammenhang mit der Beschneiung übrigens inkorrekt, eine Beschneiungsanlage produziert echten Schnee.
Unter folgendem Link können Sie auf SkiurlaubPortal.com Informationen zu Schneebedingungen und Lawinenrisiken für die verschiedenen Skigebiete abrufen: http://www.skiurlaubportal.com/DE/Meteo/enneigement.php
Fotos: N.Cuche E. Beallet
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